Dem Kiefergelenk kommt im menschlichen Körper eine besondere Rolle und Bedeutung zu. Physiologisch findet sich dieses Gelenk zwischen dem sogenannten „Os temporale“, dem Schläfenbein, und dem Unterkiefer („Mandibula“).

Fehlstellungen des Kiefergelenks und schiefe Zähne sind nicht nur optisch gesehen eine Belastung, sondern beeinträchtigen den gesamten Körper. Kopfschmerzen und Rückenbeschwerden, jedoch auch Schmerzen in der Gelenkstruktur sind nicht selten eine Folge von Kiefergelenkerkrankungen.

Bei Kindern und Jugendlichen tritt eine entzündliche Kiefergelenkerkrankung, eine sogenannte juvenile idiopathische Arthritis („JIA“) relativ häufig auf, wobei die genaue Ursache hierfür noch ungeklärt ist.

Konkret geht es um eine Entzündung des Kiefergelenks, die asymmetrische Wachstumsbeeinträchtigungen zur Folge hat. Der Kiefer kann zudem in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein. Die Zahlen aktueller wissenschaftlicher Studien sind sich nicht ganz einig, doch grundsätzlich lässt sich sagen: ein Kind von 100 bis 500 Kindern ist von einer entzündlichen Kiefergelenkerkrankung betroffen. Bedauerlicherweise wird diese Erkrankung viel zu häufig übersehen.

Symptome und Begleiterscheinungen der Erkrankungen werden oft fehlgedeutet

Leider werden Kinder und Jugendliche, die an einer entzündlichen Kiefergelenkerkrankung leiden, in sehr vielen Fällen in die Diagnose nicht miteinbezogen.

Eine Ursache hierfür kann unter anderem darin begründet liegen, dass dieser Erkrankung aus gesundheitlicher Sicht keine allzu große Bedeutung beigemessen wird. In Folge dessen übernehmen gesetzliche Krankenversicherer auch seltener die für die Untersuchung anfallenden Kosten.

Ebenso kann es durchaus vorkommen, dass die Symptome und Beschwerden nicht eindeutig auf eine Kiefergelenkentzündung hindeuten, obwohl die Entzündungserkrankung nicht selten vorkommt – ganz im Gegenteil: Das Kiefergelenk ist am häufigsten betroffen. Schmerzhafte und unangenehme Asymmetrien oder Fehlbildungen des Kiefers können die Folge der Erkrankung sein.

Wie lässt sich eine Kiefergelenkerkrankung bei Kindern erkennen?

Abhängig davon, wie schwer die entzündliche Erkrankung ausgeprägt ist und wie lange diese schon andauert, äußern sich bestimmte charakteristische Symptome:

  • Die Betroffenen haben einen frontal offenen Biss. Das bedeutet, dass sich die Schneidezähne vorne nicht berühren und es zu Einschränkungen beim Abbeißen kommt.
  • Das Untergesicht wirkt verlängert.
  • Die Mitte des Kinns scheint zu einer Seite hingezogen zu sein.

Folgende Begleiterscheinungen können gleichzeitig in Folge der Entzündungserkrankung auftreten oder auch gänzlich fehlen:

  • Kinn-Rückverlagerung
  • verminderte Mundöffnung
  • reibende Geräusche im Kiefergelenk
  • Schwellungen, Schmerzen und Rötungen (partiell auch in anderen Körperbereichen vorkommend)

Zur genauen Abklärung und Diagnostik der auftretenden Symptome, sollte auf jeden Fall ein fachkundiger Kieferorthopäde aufgesucht werden.

Kiefergelenkentzündung bei Kindern und Jugendlichen – das sollten Sie beachten

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen müssen Gelenkentzündungen ernstgenommen werden und hierzu gehört auch das Kiefergelenk. Wenn diese Entzündungserkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, können in Folge dessen schwerwiegende Schäden des Gelenks entstehen, die unter Umständen ein Leben lang anhalten.

Besondere Achtsamkeit ist geboten, wenn sich beim Kind folgende typische Symptome bemerkbar machen:

  • das Vermeiden harter Nahrungsmittel wie beispielsweise Brotkrusten, stattdessen werden bevorzugt weiche Lebensmittel wie zum Beispiel Joghurt gegessen
  • häufiges Klagen über Zahn- und Ohrenschmerzen, obwohl beide Organe vollkommen gesund sind
  • wenn Gähnen Schmerzen im Mund- und Kieferbereich auslöst und eine Einschränkung beim Öffnen des Mundes besteht
  • steif wirkendes Außenbild des Bewegungsschemas des Kindes
  • mögliche Bewegungseinschränkung einiger Gelenke oder gar Gelenkschmerzen während der Bewegung

Wenn einige oder gar alle der hier genannten Symptome erkennbar sind, ist es dringend ratsam einen Kieferorthopäden aufzusuchen.

Unser kompetentes Team der Praxis für Kieferorthopädie Voslamber in Berlin prüft alle Risikofaktoren, die bei Ihrem Kind unter Umständen gegeben sind und bespricht mit Ihnen gemeinsam die weitere Behandlung.

Diagnostik von Kiefergelenkerkrankungen

Die Kiefergelenke von Kindern und Jugendlichen, die unter juveniler idiopathischer Arthritis leiden, müssen auf jeden Fall von einem fachkundigen und spezialisierten Kieferorthopäden oder Zahnarzt behandelt werden.

In einem ersten Schritt werden sowohl die Funktionsweise der Gelenke sowie eine mögliche Formveränderung geprüft. Für die genaue Diagnostik werden zusätzlich zur klinischen Untersuchung bildgebende Verfahren wie beispielsweise Röntgen oder MRT (Magnetresonanztherapie) eingesetzt.

Bei rund 60 Prozent der von juveniler idiopathischer Arthritis betroffenen Patienten zeigen sich im Röntgenbild Veränderungen der Kiefergelenke. Diese knöchernen Abweichungen und Deformationen können von kleinen Entrundungen bis hin zur völligen Zerstörung des Kiefergelenkkopfes reichen.

Durch ein Magnetresonanztomogramm (MRT, „Kernspin“) lassen sich nicht nur die Schäden am Knochen darstellen, sondern auch mögliche Veränderungen des Weichteilgewebes. Dieses hochauflösende, bildgebende Verfahren ist daher wesentlich zielführender als die Röntgenmethode, da frühe Stadien der JIA-Erkrankung wie beispielsweise eine Gelenkentzündung oder ein möglicher Gelenkerguss dargestellt werden können. Eine mögliche Folge einer Kiefergelenkentzündung kann ein verringertes Wachstum des Unterkiefers sein.

Weiterführende Behandlung und Therapie bei Kiefergelenkerkrankungen

Ein Teil der Behandlung besteht im Einsatz entzündungshemmender Medikamente sowie speziell angefertigte Zahnklammern. Zudem kann eine parallele Physiotherapie den Erfolg der Behandlung zusätzlich optimieren.

Insbesondere in der aktiven Phase der Entzündung stehen der Kiefergelenkschutz und der Erhalt seiner Funktionsweise an oberster Stelle.

In den Zeiten der rückschreitenden Entzündung (sogenannte Remission) liegt der Fokus aller Bemühungen auf der Förderung des Unterkieferwachstums.

Mögliche Abweichungen und Verschiebungen des Kinns können durch bestimmte kieferorthopädische Geräte effektiv korrigiert werden. Sobald die Entzündung vollständig ausgeheilt ist, kann mit herausnehmbaren oder fixen Apparaturen weiterhin an einem gesunden Biss und einer korrekten Zahnstellung gearbeitet werden.

Patienten, die von einer juvenilen idiopathischen Arthritis betroffen sind, müssen aufgrund geringerer Reaktionen im Kiefergelenkbereich oft mit einer längeren Behandlungsdauer rechnen.

Sollte in einzelnen Fällen das Wachstumsdefizit des unteren Kiefers zu signifikant sein bzw. der Erfolg der kieferorthopädischen Behandlungsmaßnahmen zu gering, kann eine Operation nach Abschluss des Wachstums eingesetzt werden, um eine korrekte Biss-Lage zu erreichen. Nach der Operation muss noch einige Monate eine Zahnklammer getragen werden, damit ein ideales Verhältnis zwischen dem Kiefer und allen Zähnen untereinander sichergestellt werden kann.

Es ist von besonderer Wichtigkeit, dass derartige kieferchirurgische Behandlungen auf lange Sicht vom Kieferorthopäden untersucht werden. So können neue Entzündungen rechtzeitig erkannt und ihnen gegengewirkt werden.

Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis in Berlin und informieren Sie sich über unsere Leistungen bei der Behandlung von Kiefergelenkerkrankungen. Wir bieten individuell angefertigte Aufbissschienen und sanfte, hocheffektive Therapiemöglichkeiten in diesem Bereich an.

Dr. Voslamber - Praxis für Kieferorthopädie hat 4,72 von 5 Sternen | 67 Bewertungen auf ProvenExpert.com