Eine Zahnspange zu tragen, gehört nicht gerade zu den angenehmsten Dingen des Lebens, denn dass sie gewisse Unannehmlichkeiten mit sich bringt, lässt sich einfach nicht bestreiten. Aber kieferorthopädische Behandlungen lohnen sich, schließlich wird man mit einem schönen Lächeln und gesunden Zähnen belohnt – oder? Eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums sorgt genau diesbezüglich für Unsicherheit. Ist der Ärger mit der Spange vielleicht völlig unnötig?

IGES-Gutachten sollte Frage nach Nutzen und Kosten klären

Kieferorthopädische Behandlungen können sehr kostspielig sein, nicht nur aus Sicht der Patienten, sondern auch für die Krankenkassen. Etwa 1,1 Milliarden Euro kosten sie die Krankenkassen jährlich. Angesichts der Ausgaben bemängelte der Bundesrechnungshof die mangelnde Erforschung des medizinischen Nutzens solcher Behandlungen. Vermutlich auch deshalb, beauftragte das Bundesgesundheitsministerium das IGES-Institut mit einer Metastudie, um den Forschungsstand zu überprüfen.

Auf Basis kieferorthopädischer Literatur sollte unter anderem untersucht werden, wie sich die Behandlungen langfristig auf die Mundgesundheit auswirken. Das Ergebnis-Gutachten sorgte für Wirbel, denn dort hieß es, in einem später oft zitierten Satz, vorhandene Untersuchungen ließen „keinen Rückschluss auf einen patientenrelevanten Nutzen zu“. Für Viele las sich das wie ein vernichtendes Urteil zur Sinnlosigkeit von Zahnspangen. Aber wie eigentlich immer in der Wissenschaft, lassen sich Ergebnisse nicht auf einen Satz reduzieren und ein genauerer Blick auf die Studie offenbart, dass die Sachlage eine andere ist.

Was sagt die Studie über kieferorthopädische Behandlungen wirklich aus?

Ziel der Studie war es, den langfristigen gesundheitlichen Nutzen von Zahnspangen zu ermitteln – auch vor dem Hintergrund der damit verbundenen Kosten. Dass kein Rückschluss auf einen solchen Nutzen möglich war, bedeutet aber eben nicht, dass es keinen Nutzen gibt. Vielmehr ließ die Datenlage keine aussagekräftigen Rückschlüsse darauf zu, wie sich die Zahnkorrektur langfristig auf die Mundgesundheit auswirkt. Ob Karies oder Zahnverlust im Laufe des Lebens dadurch verringert werden, ließ sich mit den vorliegenden Daten schlicht und einfach nicht nachweisen, allerdings auch nicht widerlegen. Es besteht also weiterer Forschungsbedarf, um den Sachverhalt klären zu können.

Im Hinblick auf den Einfluss der Zahnkorrektur auf die Lebensqualität zieht die Studie allerdings klarere Schlüsse. Eine Zahnkorrektur wirkt sich positiv aus und bringt dem Patienten damit durchaus einen Nutzen. So bewertet auch das Bundesgesundheitsministerium die Ergebnisse und will den Forschungsbedarf und die Handlungsempfehlungen für kieferorthopädische Behandlungen weiter erörtern.

Es bleibt die Frage nach den Kosten

Die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen von Zahnkorrekturen wird nicht nur im Hinblick auf das Patienteninteresse gestellt. Ökonomisch würde ein mangelnder medizinischer Nutzen infrage stellen, ob Krankenkassen für eine vielleicht „nur“ kosmetisch sinnvolle Behandlung aufkommen sollen. Eine Frage, die sich gar nicht stellen sollte, denn eigentlich sollte der positive Einfluss auf die Lebensqualität in diesem Fall schon aussagekräftig genug sein. Und in ihm steckt natürlich auch ein gesundheitlicher Nutzen – nämlich der für die psychische Gesundheit. Hier geht es nicht nur um Schönheit, sondern um ein gepflegtes Äußeres, dem man nicht ansehen können darf, ob die Eltern sich eine Zahnkorrektur leisten konnten oder nicht. Das ist ein Faktor, der durchaus Einfluss auf den persönlichen, wie auch beruflichen Werdegang eines Menschen nehmen und sich damit langfristig ebenfalls ökonomisch auswirken kann. Das macht letztlich ein gegeneinander Aufrechnen von Kosten nahezu unmöglich und äußerst fragwürdig.

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