Manchmal hat es den Anschein, dass der Unterkiefer (UK) nicht so recht zum Oberkiefer (OK) passt. Meistens handelt es sich um eine genetisch bedingte Fehlstellung. Andererseits werden Zahnfehlstellungen durch schlechte Angewohnheiten begünstigt. Welche das im Einzelnen sind, schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Lutschen bei Säuglingen und Kleinkindern gehört oft zu den Ursachen für Zahnfehlstellungen

Die einen Lutschen am Daumen, die anderen an einer Schmusedecke oder einem Stofftier. Als Fremdkörper im Mund verändern diese Fremdkörper jedoch die natürliche Kieferform. Davon betroffen ist vor allem der Oberkiefer. Wie stark eine Schädigung ausfällt, hängt von der Häufigkeit und der Intensität des Lutschens bei Tag und in der Nacht ab.

Beim Daumenlutschen kippen die oberen Schneidezähne nach vorne und die unteren nach hinten, weil durch den nicht natürlichen Druck beim Daumenlutschen die Schneidezähne des Oberkiefers in den Kieferknochen gedrückt werden. Durch eine Vergrößerung des horizontalen Abstandes zwischen OK und UK kommt es zu einer vergrößerten Frontzahnstufe und einem frontal-offenen oder lutschoffenen Biss.

Ab dem dritten Lebensjahr sollte das Lutschen aufhören. Ab dem 6. oder 7. Lebensjahr, wenn die bleibenden Schneidezähne durchbrechen, wird es besonders kritisch.

Lippenfehlfunktionen führen zu Zahnfehlstellungen

Durch Lippenbeißen können die Muskel-, Gelenk- und Zahnstrukturen Schaden erleiden. Zudem kann es zu Zahnfehlstellungen, Wachstumshemmungen und Kieferanomalien, inklusive deren Spätfolgen, kommen.

Vorsicht bei einer Lippenfehlfunktion – Zu den Fehlfunktionen gehören das Einsaugen der Lippen, ein fehlender Lippenschluss und das Lippenpressen. Bei Letzterem erfolgt ein Pressen der Unterlippe gegen die untere Zahnreihe, wodurch die Frontzähne im UK nach innen kippen.

Beim Lippensaugen erfolgt ein Sog, der die Unterlippe hinter die Schneidezähne im OK saugt. Dadurch kippen die Schneidezähne im OK nach vorne. Die Schneidezähne im UK kippen parallel nach innen.

Das Fingernägelkauen begünstigt Zahnfehlstellungen in jedem Alter. Auch wenn diese Angewohnheit meistens nicht pathologisch ist, kann sie an den Zähnen zu erheblichen Schädigungen führen. Im Extremfall kommt es zu Zahnverlust und einem verschobenen Kiefer.

Fehlbildungen durch Zungenpressen

Zu unterscheiden ist zwischen dem frontalen, dem seitlichen und dem zirkulären Zungenpressen. Mit Druck wird bei allen Formen die Zunge zwischen dem OK und UK gelagert. Aufgrund der Krafteinwirkung entfernen sich die Zahnreihen voneinander. Die Zunge erhält mehr Raum und im Endeffekt entsteht ein seitlicher, zirkulärer oder vorne offener Biss.

Zungenfehlfunktionen begünstigen Zahnfehlstellungen. Diese liegen vor, wenn die Zunge in Ruhestellung nicht an der für sie physiologisch richtigen Stelle liegt, sondern fast immer an oder auf den Schneidezähnen im UK. Eventuell drückt sie auch nach vorne oder zur Seite, wodurch es zu einem ständig offenen Mund mit Wachstumsanomalien im Kiefer kommt.

Fehlstellungen können auch als Folge von fehlerhafter Sprachlautbildung auftreten. Hier ist insgesamt betrachtet von der wechselseitigen Beziehung zwischen einer Dysfunktion und formverändernden Bezahnung auszugehen.

Zahnfehlstellungen durch Mundatmung

Die physiologische und natürliche Atmung durch die Nase wird manchmal durch eine nicht richtig funktionierende Nasenluftpassage behindert, was auf sehr unterschiedlichen Ursachen im HNO-Bereich beruhen kann. Die Folge ist eine ungesunde Mundatmung, bei der es zu einer Absenkung des Unterkiefers kommt und die Zunge sich auf dem Mundboden legt. Mit der Zeit vergrößert sich die untere Gesichtshöhe. Daraus können sich unterschiedliche Defizite entwickeln.

Zu den Folgen gehören:

  • ein schmalerer Oberkiefer
  • eine vergrößerte oder verkleinerte Frontzahnstufe
  • ein offener Biss

Die Vielzahl an Ursachen legt offen, auf wie viele Faktoren bereits im Säuglings- und Kleinkindalter zu achten ist, damit es erst gar nicht zu Zahnfehlstellungen kommt, die früher oder später zu Funktions- und Entwicklungsstörungen, zuerst im Milchgebiss und später dann auch im bleibenden Gebiss, führen. Treten diese doch auf, ist es gut zu wissen, mit welchen Methoden in der Kieferorthopädie Abhilfe geschaffen werden kann.

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