Wer über schlechte Zähne und entzündetes Zahnfleisch klagt, denkt bei den Gegenmaßnahmen an eine gute Zahnbürste, Zahnseide und den nächsten Zahnarztbesuch. Ein Besuch beim Internisten steht dagegen selten auf der To-Do-Liste. Zugleich sind Menschen, die immer wieder unter Darmbeschwerden leiden, zu vielem bereit, um eine Besserung zu erzielen. Magensäure bindende Mittel, Schonkost, eine radikale Ernährungsumstellung und sogar Yoga oder autogenes Training, um Stress besser zu verkraften, gehören zum Maßnahmenplan. Dass das eine Leiden die Ursache des anderen sein kann, weiß dagegen kaum jemand. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Parodontologie und Darmgesundheit unter Experten durchaus ein Thema.

Der Zusammenhang zwischen Darm und Zähnen

Es gibt sogar einen Dogmenstreit darüber, was Ursache und was Symptom ist. Gut ausgebildete und erfahrene Ärzte kritisieren, dass viele Kollegen bei der Behandlung von Patienten, die an häufig wiederkehrenden oder chronischen Darmbeschwerden leiden, nicht daran denken, diese auf ihre Zahnhygiene anzusprechen. Dabei kann die Wurzel des Übels, im wahrsten Sinne des Wortes, im Mund liegen.

Störungen des Magen-Darmtrakts werden manchmal durch Entzündungsherde ausgelöst oder verstärkt, die sich an einer ganz anderen Stelle im Körper befinden. Kariöse Zähne oder stark entzündetes Zahnfleisch stehen dabei auf der Liste der üblichen Verdächtigen recht weit oben, obwohl nur selten jemand an sie denkt.

„Tote Zähne“, die nach einer Entzündung absterben, sind geradezu ein Eldorado für schädliche Mikroorganismen aller Art. Besonders gefährlich ist, dass der Betroffene die Vorgänge in seinem Mund oft lange Zeit gar nicht bemerkt. Er verspürt keine Schmerzen. Die Bakterien, die sich in toten Zähnen enorm stark vermehren können, gelangen so in den Organismus und können sich an anderer Stelle ansiedeln. Sehr häufig ist davon der Herzmuskel betroffen. Es kann aber auch den Darm treffen.

Was ist Ursache und was Symptom?

Im Darm können die Bakterien zu Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Durchfall und sogar zu schweren Entzündungen führen. Wenn Sie also immer wieder an Magen-Darm-Störungen leiden, deren Ursachen sich nicht ermitteln lassen, sollten Sie auch Zähne und Zahnfleisch gründlich untersuchen lassen. Maßnahmen wie die Extraktion oder Sanierung kariöser Zähne sowie die Reinigung der Zahnfleischtaschen und der Wurzeloberflächen können ihr Darmleiden dann kausal therapieren. Zumindest aus Sicht der westlichen Schulmedizin.

Die Traditionelle Chinesische Medizin würde diesen Therapieansatz dagegen für eine bloße Behandlung der Symptome halten. Es dominiert die Vorstellung, dass Zahnprobleme lediglich die Folge einer aus dem Gleichgewicht geratenen Darmflora sind. Hier beginnt der Darm bereits im Mundbereich. Und das liegt nicht nur daran, dass der Verdauungsprozess unserer Speisen schon beginnt, während wir kauen. Der Zusammenhang ist komplexer.

In unserem Darm leben tausende verschiedener Mikroorganismen, vorwiegend Bakterien, die das sogenannte Mikrobium bilden, das bis zu vier Pfund schwer werden kann. Die Zusammensetzung des Mikrobiums beeinflusst die Zusammensetzung des Speichels und der Mundflora. Wird im Darm das Verhältnis zwischen nützlichen und schädlichen Mikroorganismen gestört, kann das zu einer übermäßigen Besiedelung des Mundraums mit schädlichen Bakterien und in Folge dessen zu Mundgeruch, zu Karies und Parodontose führen.

Welchen Einfluss hat die Ernährung?

Wenn Sie trotz vorbildlicher Zahnhygiene immer wieder Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch haben, kann eine Darmsanierung in Form einer Ernährungsumstellung vielleicht helfen. Einfachzucker und Weißmehlprodukte sollten vom Speiseplan gestrichen werden. Gegessen werden sollten, neben viel frischem Gemüse und zuckerarmen Obstsorten, auch Vollkorngetreide und fermentierte Sojaprodukte.

Wenn die Darmflora stark geschädigt ist, was oft nach der Einnahme von Antibiotika der Fall ist, reicht das allein nicht aus. Den Patienten wird hier geraten, Probiotika einzunehmen. Es handelt es sich um Bakterienstämme, die in Kapseln verabreicht werden, und die sich erst im Darm, also am Bestimmungsort ihrer Fracht, auflösen. Die oral zugeführten Bakterien können den Wiederaufbau einer gesunden Darmflora enorm beschleunigen. – Bis sich auch die Zähne bessern, kann allerdings einige Zeit vergehen. Sie brauchen also Geduld und sollten Ihre Zähne regelmäßig beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden kontrollieren lassen.

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